Lob in der Pferdeausbildung

Lob in der Pferdeausbildung – So motivierst du dein Pferd durch Anerkennung!

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Wie du das Verhalten deines Pferdes beeinflussen kannst

Um deinem Pferd etwas beizubringen, musst du Einfluss auf sein Verhalten nehmen und ihm vermitteln,  welche Handlungen und Reaktionen du dir von ihm wünschst und welche Handlungen dein Pferd unterlassen soll.

Grundsätzlich gibt es dazu zwei Möglichkeiten nämlich Belohnung und Strafe.

Allgemein ist das Ziel der Belohnung, das Pferd dazu zu bringen, eine Handlung zu wiederholen, während die Strafe auf das Unterlassen einer Handlung abzielt.

Belohnung heißt zunächst einmal nichts anderes, als deinem Pferd in irgendeiner Form Anerkennung für sein Handeln oder seine Leistung zu vermitteln.

Strafen bedeutet wertneutral betrachtet, deinem Pferd durch eine bestimmte Maßnahme eine unangenehme Folge für seine Handlung zuzuführen.

Indem du nun Lob oder Strafe verteilst oder eben nicht, ergeben sich für dich vier Möglichkeiten, wie du auf das Handeln deines Pferdes eingehen kannst:

  1. Du strafst dein Pferd durch Zufügen eines negativen Reizes.
  2. Du belohnst dein Pferd durch das Beenden oder Entfernen eines negativen Reizes.
  3. Du strafst dein Pferd durch Entfernen oder Vorenthalten eines positiven Reizes.
  4. Du belohnst dein Pferd durch das Zufügen eines positiven Reizes.

In der Lerntheorie werden Punkt 1 und 2 unter dem Begriff negative Verstärkung zusammengefasst und von der sogenannten positiven Verstärkung, die sich aus den Punkten 3 und 4 ergibt, unterschieden.

Lesetipp: Alessa Neuner gibt hier einen tollen Überblick darüber, auf welche Art sie ihren Pferden etwas beibringt und erklärt dabei auch die wichtigsten Zusammenhänge aus der Lerntheorie.

Negative Verstärkung – Nicht gestraft ist schon gelobt

Negative Verstärkung bedeutet grundsätzlich, das Pferd einem Reiz auszusetzen, der es zu einer Handlung bewegt.

Zeigt das Pferd die gewünschte Reaktion, wird der Reiz beendet.

Die Belohnung und die Bestärkung des Pferdes in seiner Handlung wird also dadurch erbracht, dass das Pferd bei Erfüllen einer Anforderung in Ruhe gelassen wird.

Diese Art, einem Pferd etwas beizubringen ist beim Zusammensein mit dem Pferd im Alltag und auch beim Reiten nicht wegzudenken und wird vom Pferd grundsätzlich nicht als unangenehm eingestuft.

Genutzt wird bei diesem Ausbildungsprinzip als Reiz vor allem physischer Druck, dem das Pferd weichen soll.

Egal ob vom Boden oder auf dem Pferderücken, indem wir das Pferd mit sanften Druck berühren, stellen wir ihm eine Aufgabe.

Diese kann zum Beispiel darin bestehen, bei Schenkeldruck nach vorne anzutreten,  sich seitwärts zu bewegen oder zu halten.

Sobald das Pferd in gewünschter Weise reagiert, wird es dadurch belohnt, dass der Druck weggenommen wird.

Positive Verstärkung – Die Belohnung macht das Lob

Mit positiver Verstärkung arbeitet man dann, wenn man dem Pferd einen erstrebenswerten Reiz zuführt, sobald es ein gewünschtes Verhalten zeigt.

Für ein Pferd erstrebenswert ist immer die Befriedigung seiner ureigenen Bedürfnisse wie

  • das Bedürfnis nach Futter
  • das Streben nach Zugehörigkeit und Nähe
  • das Streben nach Spiel und Freude
  • das Streben nach Ruhe, Erholung und Sicherheit

Die Belohnung erfolgt in diesem Fall durch verschiedene Arten des Lobes wie Streicheln, Stimmlob, Leckerlies, Pausen und so weiter und wird dem Pferd so lange vorenthalten, bis es die geforderte Handlung zeigt.

Strafst du noch oder lobst du schon?

Belohnung und Strafe sind die einzigen Erziehungsmittel. Aber Belohnung hat unbedingt Vorrang!

-Xenophon-

Keine Pferdeausbildung der Welt kommt ohne negative Verstärkung aus.

Dies ist auch nicht weiter schlimm oder unnatürlich.

Mit diesem Konzept kannst du deinem Pferd viele Dinge beibringen und einige der bekannten Ausbildungssystme richten sich nach diesem Erziehungsgrundsatz.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber, die Strafe, also den Reiz, dem du dein Pferd aussetzt, auf keinen Fall mit Grobheit und Gewalt zu verwechseln und dein Pferd in irgendeiner Form zu drangsalieren.

Bildlich kannst du es dir eher so vorstellen, als ob du dein Pferd solange mit einem bestimmten Reiz nervst, bis es die gewünschte Reaktion zeigt.

Der Haken an diesem Trainingskonzept ist allerdings, das du dein Pferd immer nur zum reagieren bringst .

Zwar unterbindest du eine Eigeninitiative deines Pferdes nicht direkt, aber du förderst sie auch nicht.

Um dem Abhilfe zu schaffen, solltest du deshalb immer auch Elemente der positiven Verstärkung in die Pferdeausbildung miteinbeziehen und dein Pferd auf eine Belohnung hinarbeiten lassen.

Auf diese Weise erhöhst du die Motivation und Lernbereitschaft deines Pferdes erheblichen und es wird von sich aus aktiv versuchen, die gestellte Anforderung mit dem, was es schon gelernt hat, zu erfüllen.

Aus diesem Grund solltest du wann immer möglich den Schwerpunkt bei der Zusammenarbeit mit deinem Pferd auf die positive Verstärkung legen und dein Training so ausrichten, dass die Eigeninitiative und Motivation deines Pferdes durch Lob erhalten bleibt.

Lege dir vor jeder Trainingseinheit ein Ziel fest und überlege, wie du die Übungsvoraussetzungen so gestaltesn kannst, dass dein Pferd das Lernziel möglichst ohne Fehler zu machen erreichen kann.

Auch wenn der Kern einer Anforderung oft grundsätzlich durch die Prinzipien der negativen Verstärkung ausgedrückt wird, solltest du immer wieder Lob und Anerkennung in dein Training integrieren, denn ein Pferd, das freiwillig mitarbeitet und dazu lernen möchte, ist die schönste Bestätigung für dich als Ausbilder.

Was du beim Loben beachten solltest

Damit dein Lob in der Pferdeausbildung auch die richtige Wirkung entfaltet, solltest du dir die folgenden Tipps berücksichtigen:

Achte auf das richtige Timing!

Entscheidend für die Wirkung des Lobes, in welcher Form auch immer du es erteilst, ist das richtige Timing.

Nur in der sehr knappen Zeitspanne von etwa zwei bis drei Sekunden nach der Handlung kann dein Pferd ein Lob auch mit dieser in Verbindung bringen.

Lobst du zu spät, führt dies zu Verwirrung bei deinem Pferd oder du förderst sogar unerwünschte Verhaltensweisen.

Auch die Situation ist für die Wirkung des Lobes entscheidend.

Lobst du zu einem unpassenden Zeitpunkt, beispielsweise um dein Pferd in einer Angstsituation zu beruhigen, bestärkst du es in seiner Angst und in seinen von dir unerwünschten Handlungen.

Lobe lieber zu viel als zu wenig!

Gerade bei Aufgaben, die für dein Pferd noch neu oder schwierig sind, solltest du jeden kleinen Schritt in die richtige Richtung mit Anerkennnung quittieren.

Berherrscht dein Pferd eine Übung später sicher, belohnst du es nur noch bei korrekter Ausführung.

Verzichte aber nie ganz auf Lob, denn auch wenn ein Pferd etwas gut beherrscht, ist Lob ein Zeichen der Anerkennung für dein Pferd und du erhöhst die Motivation und die Bereitschaft mit dir zu arbeiten.

„Jede gute Leistung ist immer ein Lob wert!“  Das ist nicht nur meine Meinung, sondern zum Beispiel auch die  Ansicht von Tania vom Blog Wege zum Pferd.

Beziehe die Eigenheiten deines Pferdes in das Lob mit ein!

Jedes Pferd hat andere Vorlieben.

Um dein Lob in der Pferdeausbildung noch effektiver zu  machen, macht es also Sinn, genau zu beobachten, welche Form von Belohnung dein Pferd am besten annimmt.

Probiere dazu einfach verschiedene Dinge aus und schau, wie zufrieden dein Pferd damit ist.

Du kannst unter vielen verschiedenen Belohnungsformen wählen:

  • Stimmlob
  • Belohnungsfutter
  • Kraulen
  • Pausen
  • Clickern
  • Ausführen einer Lieblingsübung
  • Wälzen lassen
  • Spielpause

Weil es zu jeder Art von Belohnung Pro- und Contra-Argumente gibt, solltest du mit deinem Pferd ein wenig experimentieren.

Wähle die Sorten von Belohnung aus, mit denen du bei deinem Pferd die Motivation und den Spaß an der Arbeit erhalten und fördern kannst, ohne dass dein Pferd unangenehme Angewohnheiten entwickelt.

Du solltest dir auch bewusst machen, dass einige Formen der Belohnung, wie zum Beispiel das Clickern, erst funktionieren, wenn dein Pferd den Sinn dahinter verstanden hat.

Du kannst auch mehere Arten von Belohnung miteinander kombinieren und so den Effekt noch erhöhen.

Schaffe Abstufungen des Lobens und ermögliche eine Steigerung des Belohnungseffektes!

Überlege dir, in welchen Nuancen du dein Pferd für Aufgaben aus verschiedenen Schwierigkeitsstufen loben möchtest.

Steigere die Intensität des Lobes und der Belohnung mit dem Schwierigeitsgrad der geforderten Handlung.

Vergiss dabei nicht, auch Routineaufgaben mit einer kleinen Anerkennung zu zu belohenen.

Vergebe beispielsweise für die alltäglichen Dinge im Umgang mit deinem Pferd ein kurzes Stimmlob, belohne schwierigere Übungen mit einem Leckerli und lobe bei den schwierigsten Aufgaben und neuen Anforderungen mit dem Lieblingsfutter deines Pferdes und einer kleinen Pause.

Lesetipp: Einen tollen Artikel mit vielen weiteren Tipps und Wissenswertem zum richtigen Loben gibts bei Kultreiter.

So lobe ich meine Pferde

Ich persönlich nutze in der Arbeit mit meinen Pferden für verschieden Anforderungen unterschiedliche Formen des Lobes und versuche, die Intensität der Belohnung dem Schwierigkeitsgrad der Aufgabe anzupassen:

  • Für alltägliche kleine Routinedinge wie Hufe geben, sich umdrehen lassen oder ordentlich neben mir herlaufen, lobe ich mit der Stimme und sage, meist in Verbindung mit einem kleinen Streichen über das Fell, in einem zufriedenen Tonfall „brav“.

Für Sunny ist beispielsweise eine korrekte Hinterhandwendung eine schwierige Aufgabe, für die er vollste Konzentration benötigt.

Für Latemir hingegen stellt es aufgrund schlechter Erfahrungen nach wie vor eine große Herausforderung dar, beim Reiten mit einer Abschwitzdecke auf dem Rücken entspannt Schritt zu gehen.

Eine Übung, die einem Pferd leicht fällt, muss also nicht automatisch auch für ein anderes Pferd einfach zu bewältigen sein.

  • Die Form des Lobes mache ich außerdem auch vom Charakter und den Vorlieben des jeweiligen Pferdes abhängig.

Sunny ist ein sehr gehfreudiges Pferd mit viel Vorwärtsdrang.

Für ihn ist es eine tolle Belohnung, wenn er beim Reiten nach versammelnden Übungen in einem flotten Galopp die Zügel aus der Hand kauen darf. So kann er sich gut entspannen und ist nach einer kleinen Schrittpause bereit für weitere Übungen. Auch eine kurze Geländerunde am langen Zügel genießt er sehr.

Im Gegensatz dazu ist Latemir ein sehr gemütliches Pferd.

Wenn er sich angestrengt hat, belohne ich ihn mit einer kurzen Auszeit. Ich lasse ihn anhalten, streichele seinen Hals und lasse ihn einmal verschnaufen. Zum Ende einer Trainingseinheit belohne ich ihn auch häufig dadurch, dass ich ihn direkt wälzen lasse.

  • Bin ich mit der eigentlichen Übungseinheit fertig, frage ich bei meinen Pferden meist noch eine kleine Aufgabe ab, die Ihnen besonders leicht fällt und eigentlich immer gelingt. So ist schon die Aufgabe an sich eine kleine Belohnung, denn meine Pferde gewinnen an Sicherheit und zeigen diese Übung gerne und motiviert. Zusätzlich bieten diese Übungen fast immer einen Garant für ein abschließendes Lob und eine entspanntes Ende unseres Trainings.

Wie lobst und motivierst du dein Pferde?

Lobst du viel oder arbeitest du strikt nach den Prinzipien der negativen Verstärkung?

Schließt das eine das andere aus?

Teile uns deine Meinung und Tipps in den Kommentaren mit!

Lass auch dein Pferd Spaß an eurer Zusammenarbeit haben!

Eine Schöne Woche

Corinna1

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