Schulterherein auf dem Zirkel

Seitengänge – Gymnastizierende Übungen zur Geraderichtung

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Die natürliche Schiefe des Pferdes – oder wozu braucht man eigentlich Seitengänge ?

Seitengänge sind grundsätzlich dazu da, die seitlich arbeitende Körpermuskulatur an Rumpf und Hals des Pferdes zu gymnastizieren. Je nach Art und Ausführung der Übungen werden unterschiedliche Muskelgruppen gedehnt, andere werden gekräftigt.

Deshalb werden die Seitengänge gezielt dazu genutzt, der natürlichen Schiefe des Pferdes entgegenzuwirken. Wie Du sie sinnvoll einsetzen kannst um dein Pferd geradezurichten, kannst Du hier nachlesen.

Was sind Seitengänge?

Als Seitengang bezeichnet man eine Vorwärts-Seitwärtsbewegung des Pferdes in gleichmäßiger Längsbiegung. Dabei unterscheidet man zwischen den Übungen Schulterherein, Travers und Renvers.

Du kannst die Übungen mit deinem Pferd sowohl an der Hand als auch von oben ausführen. Beherrscht dein Pferd die Übungen im Schritt können sie später auch im Trab und im Galopp ausgeführt werden.

Was bewirken Seitengänge?

Allen drei Übungen fördern die Geschmeidigkeit der Muskulatur, die Geraderichtung sowie die Versammlungsbereitschaft des Pferdes.

Indem sie angespannte Muskulaturbereiche dehnen und lockern und schwächere Muskulaturbereiche kräftigen, wirken sie bei richtigem Einsatz der Händigkeit des Pferdes entgegen, .

Die Seitengänge fördern außerdem die Biegung, die Balance und den Aufbau tragfähiger Muskulatur des Pferdes.

Zusätzlich bewirken sie eine Feinabstimmung zwischen Reiter und Pferd. Der Reiter muss korrekt und präzise einwirken und seine Hilfengebung bewusst diagonalisieren.

Voraussetzungen und Vorübungen für die Seitengänge

Möchtest Du beginnen, mit deinem Pferd die Seitengänge zu erarbeiten, sollte es bereits soweit ausgebildet sein, dass es auf gebogenen Linien in korrekter Längsbiegung läuft, dass es sich um den inneren Schenkel biegen lässt und an den äußeren Zügel herantritt. Auch halbe Paraden sollte es willig annehmen und gelernt haben sich schon etwas zu versammeln.

Seitengänge auf der linken Hand
Seitengänge auf der linken Hand

Schulterherein

Das Schulterherein ist eine der Grundlagen der weiterführenden dressurmäßigen Pferdeausbildung. In dieser Übung werden fast alle Eigenschaften des gut gerittenen Pferdes gefördert.

Bei der Ausführung ist das Pferd gleichmäßig nach innen gestellt und um den inneren Schenkel gebogen. Die Hinterhand bewegt sich dabei auf dem Hufschlag. Die Vorhand des Pferdes wird soweit in die Bahn hineingeführt, dass die äußere Schulter des Pferdes vor seine inneren Hüfte gerichtet ist. Die innere Hüfte senkt sich und der innere Hinterfuß spurt in Richtung des äußeren Vorderfußes unter den Körperschwerpunkt. Das Pferd bewegt sich also durch die Längsbiegung von vorne oder oben betrachtet auf drei Spuren: inneres Vorderbein, inneres Hinterbein und äußeres Vorderbein zusammen und äußeres Hinterbein. Dabei kreuzen die Vorderbeine in der Vorwärtsbewegung, während die Hinterbeine veranlasst werden, nahezu geradeaus und schmal zu fußen.

Wie sieht die Hilfengebung aus?

Die Vorhand des Pferdes wird über das Zusammenspiel des äußeren Zügels und des inneren Schenkels in Richtung Bahninneres geführt. Der innere Gesäßknochen wird vermehrt belastet und der Reiter muss darauf achten in Bewegungsrichtung nach innen zu sitzen um am inneren Schenkel zum treiben zu kommen. Der äußere Schenkel liegt verwahrend und verhindert ein Ausfallen des äußeren Hinterbeines.

Der innere Zügel gibt leichte Stellung vor, während der äußere Zügel die äußere Pferdeschulter begrenzt.

Was bewirkt das Schulterherein?

Diese Übung bewirkt eine Mobilisierung des Pferdekörpers in Bewegung und schafft eine Ausrichtung der Pferdeschulter vor der Hinterhand.

Das Pferd wird in der äußeren Schulter frei, tritt an den äußeren Zügel heran und wird am inneren Zügel leicht.

Außerdem wird die Bauchmuskulatur auf der inneren Seite gekräftigt, während die seitliche Hals- und Rumpfmuskulatur auf der Außenseite gedehnt wird.

Durch die verlangte Längsbiegung und die damit verbundene Dehnungsarbeit fördert man durch das Schulterherein also die Geraderichtung.

Das Pferd lernt außerdem sich selbst auszurichten, mit dem inneren Hinterbein unter seinen Schwerpunkt zu treten und mit dem äußeren Hinterbein vermehrt Last aufzunehmen.

So schult diese Übung zusätzlich die Versammlungsbereitschaft des Pferdes.

Wie beginne ich, meinem Pferd Schulterherein beizubringen?

Ist dein Pferd in der Lage, sich auf großen gebogenen Linien stellen und biegen zu lassen, kannst Du mit der Vorübung, dem sogenannten Schultervor beginnen. Auch diese Übung lässt sich an der Hand oder von Oben erarbeiten und kann später ebenfalls in jeder Gangart dem Schulterherein vorgreifen.

Dazu beginnst Du bei leichter Stellung dein Pferd aufzufordern, mit dem inneren Hinterbein etwas mehr unter seinen Schwerpunkt zu fußen.Kann es dieses Unterfußen nach einigem Üben gut halten, kannst Du langsam damit beginnen, neben der Stellung auch minimale Längsbiegung zu fordern, sodass sich die äußere Schulter deines Pferdes etwas in Richtung Bahninneres verschiebt. Die Hinterhand bleibt dabei auf dem Hufschlag und das innere Hinterbein deines Pferdes fußt weiter aktiv unter seinen Schwerpunkt.

Aus dem Schultervor zum Schulterherein

Nimmt dein Pferd nach einiger Übung den äußeren Führungszügel gut an, lässt sich biegen und bleibt aktiv in der Hinterhand, kannst Du die Längsbiegung Schritt für Schritt weiter steigern, bis aus dem Schultervor schließlich Schulterherein wird.

Wichtig ist, die Anforderungen am Anfang nicht zu hoch anzusetzen. Das Schulterherein stellt schon erhöhte Ansprüche an die Koordinationsfähigkeit von Reiter und Pferd und sollte nicht unterschätzt werden.

Beginne deshalb immer mit wenigen Schritten. Steigere die Anforderungen erst,wenn diese gut und gefestigt sind.

Beginne zunächst auch auf gerader Linie auf dem ersten Hufschlag, so dass dein Pferd von der Bande etwas begrenzt wird.

Erst wenn das Schulterherein auf dem ersten Hufschlag sicher ausgeführt werden kann, solltest Du beginnen diese Übung auch in höheren Gangarten oder auf gebogenen und unbegrenzten Linien zu üben.

Travers

Neben dem Schulterherein gehört das Travers zu den wichtigsten Lektionen der Pferdeausbildung. Es bereitet auf Wendungen, Traversalen und Pirouetten vor und kann in jeder Gangart ausgeführt werden.

Auch bei der Traversbewegung ist das Pferd gleichmäßig gestellt und um den inneren Schenkel gebogen. Die Vorhand bewegt sich dabei auf dem Hufschlag. Die Hinterhand fußt aufgrund der Längsbiegung ins Bahninnere, sodass Vorder- und Hinterbeine kreuzen. Von vorne oder oben betrachtet bewegt sich das Pferd auf vier Spuren.

Wie sieht die Hilfengebung aus?

Auch hier gilt, genau wie im Schulterherein: Der Reiter sitzt vermehrt auf dem inneren Gesäßknochen um die Biegung um den inneren Schenkel zu erhalten. Der äußere Zügel begrenzt am Hals liegend die äußere Schulter, der innere Zügel erhält die Stellung. Der innere Schenkel bleibt am Gurte liegen und sorgt für die Erhaltung der Längsbiegung. Der äußere Schenkel liegt etwas hinter dem Gurt und fordert das äußere Hinterbein im Moment des Abfußens auf, zum Schwerpunkt hinzutreten. Der Schwerpunkt des Reiters wird nach vorne – innen – in Richtung der inneren Schulter des Pferdes verlagert.

Was bewirkt das Travers?

Ziel ist, dem Pferd beizubringen mit dem äußeren Hinterbein in Richtung Schwerpunkt zu fußen und dabei vermehrt Last aufzunehmen. Das Travers macht so die innere Schulter leichter, das äußere Hinterbein trägt dabei vermehrt und seine schiebende Wirkung wird begrenzt.

So fördert auch diese Übung die Versammlungsbereitschaft und das Koordinationsvermögen des Pferdes. Sie verbessert die Ausrichtung des Pferdes an den Reiterhilfen.

Zusätzlich werden Dehnung und Kräftigung der Muskulatur begünstigt und die Durchlässigkeit wird verbessert.

Wie beginne ich meinem Pferd Travers beizubringen?

Das korrekte Schulterherein ist die Basis für das Travers. Das Travers schließt immer ein korrektes Schulterherein ein und entwickelt sich aus diesem.

Aus diesem Grund beginnt man auch, das Travers aus dem Schulterherein zu erarbeiten.

Ist dein Pferd also schon in der Lage ein gesichertes Schulterherein zu zeigen kannst, kannst Du anfangen, ihm das Travers beizubringen.

Dazu beginnst du wieder auf dem ersten Hufschlag, um dir selbst und deinem Pferd mit der Begrenzung durch die Bande zu helfen.

Aus dem Schulterherein das Travers entwickeln

Lasse dein Pferd im Schulterherein antreten und halte die Längsbiegung gleichmäßig durch den gesamten Pferdekörper. Beginne dann, mit deinem äußeren Schenkel das äußere Hinterbein vermehrt unter den Schwerpunkt zu bringen ohne die Längsbiegung zu verlieren.

Löse die Übung anschließend immer in einem Schulterherein auf.

Hält dein Pferd nach einigem Üben gleichmäßig die Längsbiegung und fußt gut unter, kannst Du Schritt für Schritt die Biegung weiter steigern und die Hinterhand deines Pferd weiter ins Bahninnere schieben.

Auch hier gilt: aufgrund des erhöhten Schwierigkeitsgrades solltest Du die Anforderung an dein Pferd langsam steigern und am Anfang mit wenigen guten Schritten zufrieden sein.

Kannst Du das Travers später sicher abrufen, kannst du damit beginnen, es auch auf gebogenen und unbegrenzten Linien oder in höheren Gangarten zu üben.

Renvers

Das Renvers ist das Pendant zum Travers und unterscheidet sich dadurch, dass sich nun die Hinterhand auf dem Hufschlag bewegt während die Vorhand im Bahninneren fußt.

Die Stellung und Biegung werden analog zum Travers in Bewegungsrichtung nun allerdings zum Bahnäußeren verlangt. In der Hilfengebung und in der Wirkung auf die Gymnastizierung des Pferdes gibt es keinen Unterschied zum Travers.

Traversale

Die Traversale ist eine Vorwärts-Seitwärts-Bewegung die sich aus dem Travers entwickelt. Sie kann in allen Grundgangarten gefordert werden, sollte jedoch aus einem versammelteren Tempo ausgeführt werden.

Es handelt sich dabei um eine Traversbewegung entlang einer gedachten diagonalen Linie durch das Viereck.

Der Pferdekörper richtet sich dabei möglichst parallel zu langen Seite aus. Aus diesen Grund ist die Stellung und Längsbiegung des Pferdes bei der Traversale abhängig davon wie steil die gedachte Diagonale durch das Viereck führt.

Die Hilfengebung erfolgt analog zum Travers, allerdings muss auf der Diagonalen noch mehr darauf geachtet werden, das Pferd einzurahmen und die Linie korrekt einzuhalten.

An der Traversale solltest Du erst arbeiten, wenn dein Pferd Schulterherein und Travers sicher beherrscht und in der Lage ist, sich zu versammeln und in der Seitwärtsbewegung auszubalancieren.

Seitengänge auf der rechten Hand
Seitengänge auf der rechten Hand

Zum Weiterlesen

Dein Pferd ist steif undschief? Wie Du Schulterherein und Travers zur Gymnastizierung undGeraderichtung deines Pferdes nutzt, kannst Du hier nachlesen.

Bei Herzenspferd kannst Du nachlesen wie du beide Lektionen an der Hand vorbereitest: Schulterherein und Travers.

Zum Anschauen gibst es außerdem bei der Pferdeflüsterei eine tolle Videoanleitung mit Hero Merkel zum Thema Seitengänge in der Freiarbeit.

Hat dir dieser Artikel weitergeholfen? Wie bringst Du deinen Pferd die Seitengänge bei? Lass es mich wissen und schreibe einen Kommentar!

Ich wünsche Dir eine schöne Zeit und viel Spaß mit Deinem Pferd

Alles Liebe

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