Übergänge

Übergänge – Effektive Gymnastizierung und Krafttraining für dein Pferd

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Grundsätzlich bedeutet ein Übergang im Pferdetraining nichts anderes als eine Veränderung von Gangart oder Tempo des Pferdes. Das Pferd bewegt sich also nach dem Übergang schneller oder langsamer als vorher. Logisch also, dass wir egal ob beim Reiten, Longieren oder bei der Bodenarbeit ständig davon Gebrauch machen.

Weil solche Übergänge aber nicht nur Mittel zum Zweck sind, sondern für dein Pferd einen hohen gymnastizierenden und kräftigenden Effekt haben, gibt es heute von mir einen Artikel darüber, wie Du Übergänge sinnvoll in den Trainingsablauf integrierst und dabei dein Pferd fleißig, fit und locker hälst.

Also los geht`s:

Wieso sind Übergänge gut für mein Pferd?

Gleich zu Anfang sollte gesagt sein: Der Nutzen von Übergängen basiert auf der korrekten Ausführung. Ein wertvoller Trainingseffekt ergibt sich immer dann, wenn die Überleitung zum neuen Tempo oder zur neuen Gangart fließend, auf der Hinterhand, in Anlehnung, mit aufgewölbtem  Rücken, im Takt und fleißig gelingt.

Das bedeutet, jeder korrekte Übergang verlangt von deinem Pferd Koordination, Kraft und Durchlässigkeit und von Dir selbst eine gute Abstimmung deiner Hilfen und ein Gespür für den Bewegungsablauf deines Pferdes.

Baust Du sie entsprechend dem Ausbildungsstand deines Pferdes bewusst in den Trainingsablauf ein, verbessern Übergänge

  • die Aktivität der Hinterhand
  • die Aufmerksamkeit deines Pferdes
  • seine Rückentätigkeit
  • seine Losgelassenheit
  • und generell die gesamte Durchlässigkeit.

Warum das so ist?

Für einen Wechsel zu schnellerem Tempo oder in eine höhere Gangart muss Dein Pferd Schubkraft aus der Hinterhand entwickeln. Für einen Wechsel zu geringerem Tempo oder in eine niedrigere Gangart muss es Tragkraft aufwenden. Die Muskulatur der Hinterhand wird also dementsprechend aufgebaut und gestärkt.

Außerdem bringen Tempounterschiede Abwechslung in die Bewegungsroutine beim Training und veranlassen dein Pferd dazu, auf deine Hilfen zu achten.

Der häufige Wechsel des Taktes und der damit verbundenen Bewegungsmuster fördert zusätzlich das Schwingen des Pferderückens. Durch unterschiedliches An- und Abspannen der Muskulatur im Wechsel der Gangarten lösen sich Verspannungen im Bewegungsapparat des Pferdes.

Insgesamt verbessert sich durch die erhöhte Aufmerksamkeit und die körperliche Kräftigung deines Pferdes dessen Reaktionsfähigkeit und Koordination, sodass es auf deine Anforderungen leichter und korrekter reagieren kann. Das macht sich dann in höherer Durchlässigkeit deutlich bemerkbar.

Was bewirken die verschiedenen Übergänge im einzelnen?

Grundsätzlich fördern Übergänge in eine höhere Gangart oder in ein höheres Tempo die Schubkraft und die Vorwärtstendenz deines Pferdes. So kannst du den Bewegungsablauf etwas auffrischen und die Hinterhand zu energischerem Abfußen veranlassen. Auf diese Weise ermutigst Du dein Pferd zum fleißigen Vorwärts.

Im Gegensatz dazu fordern Übergänge in eine niedrigere Gangart oder ein niedrigeres Tempo vom Pferd mehr Tragkraft und eine mehr oder weniger ausgeprägte Versammlungsbereitschaft. Mit ihrer Hilfe verbesserst Du die Lastaufnahme der Hinterhand und damit auch die Anlehnung.

Außerdem kannst du davon ausgehen, dass Übergänge innerhalb einer Gangart gut geeignet sind, um den Bewegungsablauf und die Gangart an sich zu verbessern, während Übergänge zwischen den Gangarten zu Verbesserung von Losgelassenheit und Rückentätigkeit deines Pferdes führen.

Übergänge, die eine Gangart komplett überspringen, wie beispielsweise Galopp-Schritt, Schritt-Galopp oder Trab-Halten-Trab sowie später auch die Übergänge von mittlerem oder starkem Tempo zu einem versammelten Tempo stellen bereits ein hohes Schwierigkeitslevel dar. Solche Tempovariationen fördern und forden in besonderem Maß die Versammlungsbereitschaft und die Fähigkeit des Pferdes Schub und Rahmenerweiterung zu entwickeln.

Wann fordere ich welchen Übergang von meinem Pferd?

Generell kannst Du in jeder Phase des Trainings Übergänge einbauen. Um zu entscheiden, welche Übergänge in welchem Abschnitt der Trainingseinheit sinnvoll sind, kannst du dich an ihren Wirkungen orientieren.

Im Trainingsablauf eignen sich im Allgemeinen für die Lösungsphase besonders Übergänge zwischen den Gangarten beginnend mit Wechseln zwischen Schritt und Trab und später dann auch zwischen Trab und Galopp.

Ist dein Pferd ordentlich aufgewärmt, locker und durchlässig, kannst du dann an den einzelnen Grundgangarten feilen, indem Du immer wieder Tempounterschiede von deinem Pferd verlangst. So förderst Du Kraft, Koordination und Beweglichkeit deines Pferdes.

Bei fortgeschrittenem Ausbildungsstand kannst Du schließlich auch die versammelnden Übergänge in das Training mit deinem Pferd einbeziehen.

Zwischendurch und auch in der Schlussphase des Trainings kannst Du dann nochmals einige Übergänge zwischen den Gangarten ( vor allem Trab-Galopp-Trab ) einbauen, um dein Pferd nach anstrengender Arbeit wieder zu fleißigem und lockerem Vorwärts zu animieren.

Eine tolle Ergänzung zu den lösenden Übergängen bildet nebenbei auch das Zügel aus der Hand kauen lassen. Diese Übung kannst du immer mal wieder zwischen den Übergängen abfragen und so das Gleichgewicht und die Dehnungsbereitschaft deines Pferdes überprüfen.

Intensivieren lässt sich der Trainingseffekt der Übergänge übrigens, wenn Du diese mit anderen Lektionen oder mit Hufschlagfiguren kombinierst. So kannst du zum Beispiel zwischen den Übergängen Volten einbauen oder die Übergänge auf gebogener Linie abfragen. Solange Du auf eine korrekte Ausführung achtest und dein Pferd nicht überforderst, sind deiner Kreativität hier keine Grenzen gesetzt.

Wann ist ein Übergang korrekt?

Alles in allem kannst Du einen Übergang als ordentlich einstufen, wenn deinem Pferd die Überleitung zum neuen Tempo oder zur neuen Gangart fließend, auf der Hinterhand, in Anlehnung, mit aufgewölbtem  Rücken, im Takt und fleißig gelingt.

Bei der Beurteilung von Übergängen innerhalb einer Gangart kommen noch die Kriterien Raumgriff und Rahmenerweiterung beziehungsweise Lastaufnahme und Versammlungsbereitschaft dazu.

Das bedeutet, beim Zulegen sollte dein Pferd idealerweise bedingt durch weites Durchschwingen der Hinterhand  unter seinen Schwerpunkt in der Schulter freier werden und mit sicherer Selbsthaltung die Ganaschenwinkel etwas weiter öffnen und die Stirn-Nasen-Linie etwas nach vorne vornehmen.

Bei der Rückführung des Tempos solltest Du darauf achten, dass dein Pferd mit der Hinterhand Last aufnimmt und seine rhythmische Bewegung beibehält, ohne in seinem Abfußen langsamer zu werden. Die Hinterhand muss weiterhin deutlich unter den Körperschwerpunkt arbeiten.

Anzeichen dafür, dass bei den Übergängen noch Verbesserungspotential besteht, sind beispielsweise folgende:

  • Dein Pferd hebt sich im Übergang aus der Anlehnung und zieht den Rücken weg.
  • Im Übergang verliert dein Pferd Gleichgewicht und Schwung und fällt auf die Vorhand.
  • Während und nach dem Übergang geht dein Pferd gegen den Zügel.
  • Dein Pferd findet den neuen Takt nicht.
  • Dein Pferd fällt aus.
  • Du blockierst in deinem Sitz und kommst aus deinem Becken nicht mehr zum Mitschwingen.

So reitest Du gelungene Übergänge

Im Wesentlichen beinhalten alle Übergänge drei Phasen: In der Vorbereitungsphase machst Du dein Pferd durch halbe Paraden auf etwas Neues aufmerksam. In der Ausführungsphase gibst Du die entsprechenden Hilfen für die Änderung des Bewegungsablaufs. Die Schlussphase beinhaltet die taktklare Bewegung  im neuen Tempo oder in der neuen Gangart.

Gefordert ist dabei dein gutes Einfühlungsvermögen.

Durch die Vorbereitung mit halben Paraden erhälst beziehungsweise verbesserst du das Gangbild deines Pferdes und förderst die Aktivität der Hinterhand. So bereitest Du es auf eine Änderung im Bewegungsablauf vor. Hast du das Gefühl, seine Bewegung ist harmonisch und dynamisch und es reagiert umgehend auf deine treibenden Hilfen, kannst Du das Signal zum Übergang geben.

Der richtige Moment

Entscheidend hierbei ist, dass Du genau im richtigen Moment mit deiner Hilfe einwirkst um einen sauberen Verlauf der Bewegungsänderung zu erreichen.

Möchtest du in eine höhere Gangart wechseln, gibst du die entsprechende Hilfe in dem Moment, indem der äußere Hinterfuß aufsetzt und der innere Hinterfuß frei wird. So kann sich das Pferd mit Schwung in die neue Gangart abstoßen und sofort in den neuen Rhythmus finden.

Auch wenn Du innerhalb einer Gangart zulegen möchtest, ist dieser Moment der richtige für die treibende Einwirkung.

Um dein Pferd innerhalb der Gangart zurückzunehmen, erarbeitest Du dir das Aufnehmen durch wiederholte halbe Paraden bis dein Pferd in der Hinterhand Last aufnimmt und so das Tempo verringert.

Der richtige Moment für einen Übergang
Der richtige Moment für einen Übergang

Möchtest Du in eine niedrigere Gangart übergehen, sicherst Du zunächst die Balance deines Pferdes ebenfalls über halbe Paraden. Hast Du das Gefühl, dein Pferd trägt sich und ist im Gleichgewicht, lässt Du es durch ein kurzes Anspannen deiner Bauchmuskulatur und ein minimales(!) Blockieren der Vorwärtsbewegung durch dein Becken in die gewünschte Gangart fallen.

Was ist zu beachten?

Wichtig bei allen Übergängen: Konzentriere Dich immer auf die neue Gangart oder das neue Tempo. Reite also bewusst in die neue Gangart hinein statt mit der alten aufzuhören. Gib mit deinem Becken bewusst den neuen Bewegungsrhythmus vor. So erleichterst Du nicht nur deinem Pferd das finden des neuen Taktes, sondern bleibst auch selbst locker in der Mittelpositur.

Vergiss außerdem nie das Nachgeben der Hand. Die treibende Hilfe muss immer vorherrschen. Stößt sich das Pferd am Gebiss, ist ein fließender Übergang nicht möglich und es kommt zu Taktverlust.

Warte immer darauf, dass dein Pferd aktiv unter den Schwerpunkt fußt und den Rücken aufwölbt. So stellst Du sicher, dass dein Pferd den Übergang und die damit verbundene Änderung des Bewegungsmusters durch die Muskulatur des gesamten Körpers durchlässt. Auf diese Weise gelingt der Übergang fließend und balanciert. Dein Pferd fällt nicht auf die Vorhand sondern kann fleißig aus dem Hinterbein weiter unter den Schwerpunkt treten.

War dieser Beitrag hilfreich für Dich oder hast Du noch weitere Fragen? Schreibe mir. Ich freue mich über einen Kommentar von Dir!

Eine schöne Woche und weiterhin viel Spaß mit deinem Pferd!

Corinna1

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2 Gedanken zu „Übergänge – Effektive Gymnastizierung und Krafttraining für dein Pferd

  1. Hallo,
    den Artikel fand ich sehr interessant!
    Aber die Beschreibung des richtigen Zeitpunkts für den Übergang in eine höhere Gangart u die Zeichnung dazu widersprechen sich doch. Oder verstehe ich das irgendwie falsch ?

    LG

    Bärbel

    1. Hallo Bärbel,
      vielen Dank für dein Kompliment. Freue mich, dass Dir der Artikel gefällt.
      Tatsächlich hätte ich mit der Zeichnung wohl einen kleinen Moment eher einfangen sollen, nämlich dann, wenn das außere Hinterbein auffußt. So wie es jetzt dargestellt ist, sieht man ein energisches Abstoßen vom äußeren Hinterbein, was eigentlich erst die Folge der treibenden Hilfe wäre.
      Werde das ganze nochmals überarbeiten.
      Liebe Grüße
      Corinna

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